Einzigartige Erfahrungen einer Sprachreise
So schnell wie er gekommen war, verschwand er auch wieder aus meinem Leben. Kennen lernen durfte ich ihn bei einem Weinfest in unserem Dorf in Nordfrankreich. So wie jedes Jahr feierten wir dort zu Beginn des Herbstes ein Fest, bei dem wir den diesjährigen Wein zum ersten Mal, nach getaner Arbeit, verkosteten. Nachdem ich nach der Arbeit auf unserem Verkaufsstand die Straße hinunterging um mich ein wenig umzusehen, prallte ich plötzlich mit ihm zusammen.
Erschrocken blickten wir uns gegenseitig an. Dieses Gefühl verflog aber bereits nach wenigen Augenblicken bei mir und wir mussten beide lachen. In unserem ersten kurzen Gespräch erzählte er mir, dass er aus Ungarn kam und ihn eine Sprachreise nach Frankreich führe. „Er geht also zur Schule und muss ungefähr so alt wie ich sein“, schoss es mir sofort durch den Kopf. Da er auch nicht so gut Französisch sprach, konnten wir uns nur begrenzt unterhalten. Allerdings merkte ich sofort, dass die Chemie zwischen uns beiden zu 100 % stimmte. Seine kurzen, dunklen Haare und die smarte Brille auf seine Nase passten sehr gut zu seinem offenen und spitzbübischen Wesen.
Am nächsten Tag verabredeten wir uns in einer Bäckerei zum Frühstück. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir noch nicht ganz sicher, ob es die richtige Entscheidung war ihn näher kennen zu lernen und sich auf ihn einzulassen. Als er allerdings mit einem Strauß Blumen auf mich in der Bäckerei auf mich wartete, war ich mir mehr als sicher. Wir unterhielten uns prächtig, gingen nach dem Frühstück spazieren und hatten viel Spaß während unserer gemeinsamen Zeit. Als es allerdings so weit war sich zu verabschieden, wurde sein Gesicht plötzlich traurig und blass. Mit trauriger Stimme erzählte er mir, dass er bereits heute abreisen werde. Seine Sprachreise führe ihn weiter nach England und er könne es sich nicht erlauben dort zu spät an seinem Studienort zu erscheinen. Ich wusste sofort was das für mich zu bedeuten hatte. Schnell küsste ich ihn auf die Wange, sagte ihm lebe wohl und verschwand auch schon. Zu schwer wäre mir ein längerer Abschied gefallen, bei dem wir beide unseren Gefühlen nachgegeben hätten. Egal ob er nun in Frankreich oder England ist – seine Sprachreise hat ihn zu mir geführt und ihn die Sprache meines Herzens gelehrt. Vergessen werde ich ihn kaum. Auch wenn ich es noch so sehr versuche.